Stadtnatur: Pfiffe an der Emschermündung

Pfeifenten sind Wildenten aus dem Norden. Denn dort brüten sie im Sommer. Ihr Brutgebiet dort ist riesig. Es reicht von Island über die Britischen Inseln und Skandinavien bis in die Weiten des russischen Sibiriens hinein. Aber im Winter ist es ihnen, wie auch vielen anderen Zugvögeln, dort einfach viel zu kalt. Deswegen heißt es im Herbst: Ab in den warmen Süden. Nein, nicht nach Mallorca oder auf die Kanaren, es reicht der Niederrhein und für einige hundert Pfeifenten offenbar sogar die Emschermündung in Dinslaken, ganz im Nordwesten des Ruhrgebiets.

Die Emschermündung liegt sehr günstig, nämlich an der Grenze von Niederrhein und Ruhrgebiet. Während am Niederrhein bis zu 6.000 Pfeifenten überwintern, sind auch die saftigen Wiesen entlang der Ruhr zwischen Mühlheim und Dortmund ein wichtiges Winterquartier für Pfeifenten. Hier an der Emschermündung sind es auf einer Strecke von wenigen hundert Metern einige hundert Pfeifenten. Die Tiere fühlen sich hier offenbar in der Nähe von Menschen sicher, ein Wohngebiet liegt nur einen Steinwurf entfernt. Wieder und wieder fliegen die Tiere aus dem Wasser auf und begeben sich gemeinsam auf Nahrungssuche an die grasbewachsenen Hochwasserdeiche. Die Fluchtdistanz ist deutlich geringer als im Brutgebiet. Wer genauer hinsieht, kann auch Bläßrallen, Krick-, Schnatter-, Stock- und Löffelenten sowie Lachmöwen, Gebirgs- und Bachstelzen entdecken, die hier am Emscherufer Nahrung suchen.

Aber wieso überwintern diese Vögel ausgerechnet an einem der dreckigsten Flüsse Europas – der Emscher?

Pfeifenten und all die anderen sind keineswegs „Dreckspatzen“. Die Emscher ist an ihrer Mündung schlichtweg (fast) sauber und das saftige Gras an ihren Hochwasserdämmen ist sehr gut genießbar – zumindest für einen Entenmagen. Dass die Emschermündung vogeltauglich ist, hat einen einfachen Grund: Das Emscherklärwerk in Dinslaken. 1976 wurde es gebaut, um den Rhein vor den Fäkalien und Abwässern des Ruhrgebiets zu schützen. Seither klärt es mindestens Zehntausend Liter Wassser pro Sekunde, bei guter Wasserführung das dreifache.

Aber damit nicht genug. Für die bevorstehende komplette Renaturierung der Emscher baut die #Emschergenossenschaft hier gerade „neue Wege“ am Wasser und ein komplett naturnahes Mündungsdelta der Emscher in den Rhein.

 

Text: © Wildes Ruhrgebiet – P. Schütz

Foto: © Wildes Ruhrgebiet – A. Krebs